Patrick VolknantVon

2017 bis zu 2 Prozent Wirtschaftswachstum in Russland

Russlands Wirtschaft werde im laufenden Jahr „wieder wachsen, wenn auch nur leicht“. Dies prognostiziert Germany Trade & Invest (kurz: GTAI), die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing.

Für 2017 erwartet GTAI einen Zuwachs von 0,3 bis hin zu 2,0 Prozent für das russische Bruttoinlandsprodukt. Darüber, ob solche Zunahmen auch in ferner Zukunft weiter eintreten werden, scheiden sich jedoch die Geister: Während das Wirtschaftsministerium guter Dinge ist, sieht das Finanzministerium nur einen vorübergehenden Aufschwung.

Wirtschaftsleistung festigt sich

Die insgesamt abschmelzenden Finanzreserven und Schwierigkeiten im Haushaltssektor würden an der Investitionsfähigkeit des Staates nagen, so die Voraussage des Ministeriums. Zunächst können aber noch rund 2,8 Milliarden Euro vom Ministerium für Industrie und Handel für 2017 zur Verfügung gestellt werden.

Schon im vergangenen Jahr hat sich die russische Konjunktur etwas stabilisieren können. Allerdings lagen die Werte noch immer im Minusbereich: Die Wirtschaftsleistung sank 2016 um nur 0,2 Prozent, nachdem sie 2015 bei -2,8 Prozent gelegen war. Allerdings betraf das Wachstum nur einige wenige Branchen; allen voran die Agrarwirtschaft, die Industrie und den Bergbau.

Steigendes Interesse privater Investoren

Das sich abzeichnende Wachstum zieht private Investoren an, die ihre Gelder vor allem in die Agrarwirtschaft, die Gas- und Ölindustrie, die chemische Industrie sowie die Papierindustrie fließen lassen.

Sogar die russische Kleidungsindustrie, die zuletzt alles andere als gut dastand, findet neue Interessenten. Allerdings ist dies auch eine Folge der niedrigen Durchschnittslöhne, die zuletzt unter die chinesischen Vergleichswerte abgesunken sind.

Konsum hat Führungsrolle abgegeben

Der Konsum, welcher jahrelang als Grundlage für russisches Wachstum fungierte, hat diese Rolle inzwischen abgegeben. Während der Wirtschaftskrise haben Unternehmen nur unterdurchschnittliche Lohnerhöhungen ausgesprochen – und das bei für die Bevölkerung steigenden Lebenserhaltungskosten.

Schon allein durch den 2014 ausgerufenen Einfuhrstopp westlicher Agrarprodukte stiegen die Preise um 30 Prozent. Trotzdem könnte 2017 auch für den Konsum wieder ein besseres Jahr werden, nachdem sich der Verbraucherpreisindex von 2015 auf Ende 2016 halbiert hat.

Deutsch-russischer Handel leidet unter Sanktionen

Was den Außenhandel betrifft, leidet dieser nach wie vor unter dem Fall des Ölpreises. Das gegenseitige Sanktionieren Europas und Russlands trägt zusätzlich zum anhaltenden Negativtrend bei. Die Zahlen des deutsch-russischen Handels fallen dementsprechend aus: Die deutschen Exporte nach Russland sind 2016 um 1,0 Prozent und die deutschen Importe aus Russland sogar um 11,3 Prozent eingebrochen. Für die kommenden Jahre scheint diese Entwicklung zunächst anzuhalten.

Fotoquelle

Einkaufszentrum GUM in Moskau. Wikimedia (CC BY-SA 3.0

Patrick Volknant
Über den Autor

ist Autor bei Ostexperte.de.

Der freie Journalist studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg und Leipzig.

 

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