Simon SchüttVon

Dortmunder Pumpenhersteller Wilo eröffnet 35-Millionen-Euro Fabrik in Noginsk bei Moskau

Der Dortmunder Pumpenhersteller Wilo hat eine neue Fabrik in Russland eröffnet. Am heutigen Dienstag, den 28. Juni 2016 nahm das deutsche Unternehmen in Noginsk im Moskauer Gebiet sein neues Werk in Betrieb. Die Investition für das Pumpenwerk betrug 35 Millionen Euro. Damit sei es „die größte Einzelinvestition eines deutschen Unternehmens in Russland 2016“, schreibt die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK). Außerdem „eine der größten Investitionen seit Beginn der Ukraine-Krise“. 

Wilo wird in dem Werk im Industriepark „Dega Cluster“ nun Pumpensysteme für Heizungs-und Klimatechnik sowie für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung herstellen – etwa für Schwimmbäder. Der Grundstein für das Werk wurde bereits im Herbst 2013 gelegt. Baubeginn war ein Jahr später.

Pro Jahr sollen in Noginsk zunächst 70.000 Pumpen und Pumpensysteme gebaut werden. Bis 2020 ist geplant, die Kapazität auf 110.000 zu erhöhen. Mit der Fabrik werden 400 Arbeitsplätze geschaffen. Das Produktionsgelände macht etwa 8.500 m² aus, das Lager- und Logistikzentrum rund 7.000 m² und mehr als 6.000 m² stehen für die Verwaltung zur Verfügung.

Außerdem gibt es ein Testbecken für die Pumpen. Das neue Testbecken der Anlage wird auch den russischen Behörden und anderen Pumpenherstellern zur Verfügung gestellt. Es ist das größte seiner Art Russlands und nach Angaben der AHK „moderner als vergleichbare Anlagen in Deutschland“.

Zum Industriepark „Dega Cluster“ in Noginsk gehören neben Wilo 35 Firmen, davon 21 mit ausländischer Beteiligung.

Wilo-Vorstand Hermes: „Made in Russia“ festigen

„Die Investition in den Standort Moskau-Noginsk nutzen wir aktiv, um die Marke Wilo im russischen Markt ebenso zu festigen wie den Anspruch ‚Made in Russia‘“, betonte Oliver Hermes, Vorstandsvorsitzender der WILO SE, in seiner Eröffnungsrede.

Bereits seit 1992 ist Wilo in Russland. Der russische Markt ist einer der fünf wichtigsten für das Unternehmen. Nach eigenen Angaben sind mehr als eine Million Wilo-Pumpen und Pumpensysteme in Russland im Betrieb.

Trotz der momentan schwierigen wirtschaftlichen Lage im Land sei es dem Unternehmen gelungen, die Umsatzerlöse 2015 zu steigern. Weltweit machte Wilo 2015 über 1,3 Milliarden Euro Umsatz, in Russland 100 Millionen Euro.

Das Unternehmen kommentiert die neue Investition:

Mit dem Neubau dieses Werks in Moskau-Noginsk lokalisiert die Wilo Gruppe noch intensiver als zuvor ihre wirtschaftlichen Aktivitäten in Russland und vertieft ihre Wertschöpfung. Damit trägt das Unternehmen sowohl dem mittelfristig erwarteten überdurchschnittlichen Wachstum als auch der Größe und Bedeutung des russischen Markts Rechnung und wird gleichzeitig der Entwicklung gerecht, vor Ort zu sein, um langfristig erfolgreich auf dem russischen Markt zu bleiben.

Eröffnet von Ministerpräsident Medwedew persönlich

Eröffnet wurde das Werk sogar, sehr symbolträchtig, durch den russischen Premierminister Dmitrij Medwedew höchstpersönlich. Auch Industrieminister Denis Manturow nahm an der Zeremonie teil.

Medwedew sagte in seiner Rede: „Obwohl die Zeit für die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland momentan sehr herausfordernd ist, bleiben deutsche Investoren wichtige Investoren in unserem Land.“ Es sei auch für Russland wichtig, dass die Firma sich das Ziel gesetzt habe, die Produktion zu lokalisieren und das Lokalisierungsslevel von momentan 30 Prozent in einigen Jahren auf etwa 80 Prozent hochzufahren. „Wir glauben daher, dass dieses Projekt mit der Strategie für die russische Industrieentwicklung übereinstimmt und werden es daher unterstützen“, sagte der Premierminister (Link zur Rede auf Russisch).

Außerdem werde die neue Produktionsstätte eine ganze Reihe an neuen Arbeitsplätze für Russen schaffen. Wilo arbeite schon seit langem – 20 Jahre – in Russland und es sei „sehr wichtig, dass die Produktion ihrer Geräte auch in unserem Land beginnt“, meinte Medwedew in der Rede.

AHK-Vorsitz Schepp: „Wer sich entscheidet, in Russland zu produzieren, bekommt einen roten Teppich ausgerollt“

„Der russischen Regierung sind Investitionen angesichts der Wirtschaftskrise und des Sanktionsregimes überaus wichtig“, kommentierte das Matthias Schepp, Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). „Wer Technologie transferiert und sich entscheidet, in Russland zu produzieren, bekommt einen roten Teppich ausgerollt.“

Medwedew hielt auf dem neuen Fabrikgelände in Noginsk zudem eine Sitzung des Expertenrates zur Energieeffizienz ab. Das Werk ist nämlich auf Basis des Standards für „Grünes Bauen“ LEED  (Leadership in Energy and Environmental Design) geplant und errichtet worden.

Exportplattform auch für Eurasische Wirtschaftsunion

Auch Jens Dallendörfer, Generaldirektor von Wilo Rus und Mitglied des AHK-Vorstandes, betonte: „Russland ist für uns in den nächsten Jahrzehnten ein hoch attraktiver Markt.“ Doch das Werk solle nicht allein diesen Markt bedienen.

„Wir sehen das Werk auch als Exportplattform für den Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok und die Länder der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), zu der neben Russland auch Weißrussland, Kasachstan, Armenien und Kirgisien gehören.“

Hier finden Sie einen Beitrag des ARD-Mittagsmagazins von 2013 über Wilo in Russland:

Quelle

Titelbild: AKH Russland

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.

 

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