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Die Deutschen werden langsam, aber sicher von den Chinesen als die eifrigsten Russlandtouristen abgelöst. Laut der russischen Föderalen Tourismusbehörde hatte Deutschland 2012 noch knapp die Nase vorn: 375 258 deutschen Touristen standen 343 357 Chinesen gegenüber. Die International Tourism Consulting Group hingegen sieht schon 2012 eine Wachablösung an der Spitze. Nach den Zahlen des Münchner Beratungsunternehmens sind im vergangenen Jahr 700 000 Chinesen nach Russland gereist, wovon 400 000 Urlaub machten. Danach erst kommt Deutschland mit einer halben Million Besuchern, wovon jeweils die Hälfte das Land als Touristen und geschäftlichen Gründen besuchte. Im laufenden Jahr, so sind sich die Experten einig, werden die Chinesen unangefochten die meisten Russlandtouristen stellen und den 1. Platz so bald auch nicht mehr abgeben.

Dieser Boom ist nicht allein erklärt, dass es einfach viele Chinesen gibt. Sie würden die Russen als Europäer betrachten und könnten ohne weite Wege zurückzulegen „Europa besuchen“, sagt etwa Igor Gorewoj, der Wirtschaftsminister des an China grenzenden Gebiets Amur. Das russische Reiseunternehmen Visit Russia glaubt, dass Russland mit seiner Geschichte und den unzähligen historischen Sehenswürdigkeiten ganz dem Geschmack der chinesischen Touristen entspricht.

 

Der Erfolg Russlands bei seinem großen Nachbarn dürfte auch mit dem politischen Willen beider Länder zusammenhängen. 2012 wurde zum Jahr des gegenseitigen Tourismus erklärt, inzwischen lautet die Devise „Jahre des Tourismus Chinas und Russlands 2012-2013“. Experten weisen zudem auf die rapide Entwicklung in dem Schwellenland hin, die auch der Tourismus durchmache. Nach Angaben der Welttourismusorganisation UNWTO stieg die Zahl der chinesischen Auslandsreisen von 10 Millionen im Jahr 2000 auf 83 Millionen im vergangenen Jahr. Die Russlandbesuche stiegen von allein 2011 bis 2012 um mehr als 40 Prozent.

Für die Deutschen Urlauber andererseits sei Russland kein klassisches Reiseziel, meint die TUI Deutschland. Das Klima sei dafür zu rau. Am ehesten würden Städtereisen nachgefragt, etwa nach St. Petersburg. Das sagt auch Olaf Heinen, Geschäftsführer der Business Visa GmbH aus Berlin. Bei Städtereisenden handle es sich zum großen Teil um Rentner. Junge Leute hätten in der Regel nicht das Geld für Fernreisen beziehungsweise sie gäben es lieber für Ziele wie Indien, Thailand oder Südamerika aus. „Oder sie haben bereits Familie, und dann sind Länder ohne gute Infrastruktur, die auch politisch nicht sehr einladend sind, nicht erste Wahl.“ Russland habe aus touristischer Sicht viel nachzuholen, meint Heinen. Das Land müsse sich noch attraktiver und vor allem weltoffener präsentieren.
Bei Geschäftsreisen hingegen sei Russland – wie auch China – ein attraktives Reiseziel, so Heinen. Sein Unternehmen vermittle 30 000 chinesisch Visa pro Jahr und 10 000 russische, wovon etwa 90 Prozent geschäftliche Visa seien und nur 8 Prozent touristische.

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Über den Autor

Anja Hoffmann studiert Marketing und Event Management | International Business B. A. an der accadis Hochschule Bad Homburg und macht derzeit ein Marketing Praktikum bei RUFIL CONSULTING.

 

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