Thorsten GutmannVon

Sberbank und Yandex investieren in Amazon-Alternative

In Westeuropa ist der Online-Versandhändler Amazon allgegenwärtig. Russische Konsumenten dagegen greifen lieber auf inländische Anbieter zurück. Zwei russische Unternehmen investieren nun in die Amazon-Alternative Yandex.Market.

Yandex ist im Westen als russischer Google-Konkurrent bekannt. Doch in Wirklichkeit bietet der russische Internet-Konzern viele andere Dienstleistungen, darunter einen Kartendienst und eine Taxi-App. Zu den Produkten zählt auch die Online-Plattform Yandex.Market, das stark an den Amazon Marketplace erinnert.

Von Bekleidung über Haushaltswaren bis zu Spielkonsolen bietet der russische Internet-Marktplatz alles, was das Herz begehrt. Dabei verkauft Yandex die Produkte nicht selbst, sondern fungiert als Vermittler zwischen Käufer und Händler. Nun hat der Konzern einen Paukenschlag angekündigt. Russlands Amazon-Alternative geht in die Offensive.

Offenbar plant Yandex ein Gemeinschaftsunternehmen mit der russischen Sberbank. Dies geht aus einem Bericht der Wirtschaftszeitung Wedomosti hervor. Die Finanzgruppe Sberbank ist die größte Finanzinstitution Russlands und befindet sich überwiegend im Staatsbesitz.

Investment in Höhe von 850 Millionen Euro

Die Sberbank hat angekündigt, rund 30 Mrd. Rubel (ca. 425 Mio. Euro) in ein Joint-Venture mit Yandex zu investieren. Die gemeinsame Investition wird auf 850 Millionen Euro beziffert. Medienberichten zufolge soll das russische Finanzinstitut 45% der Anteile an Yandex.Market erhalten. Weitere 10% der Anteile gehen an Yandex-Mitarbeiter, der Rest gehört Yandex selbst.

Das Transaktionsvolumen der Internet-Plattform betrug Eigenangaben zufolge im Jahre 2016 rund 100 Mrd. Rubel (ca. 1,41 Mrd. Euro). Beide Unternehmen ließen mitteilen, dass alle nötigen Genehmigungen für das Joint-Venture bereits vorhanden seien. Der Deal könnte laut Wedomosti bis Ende 2017 vollzogen werden.

Yandex und Sberbank sind alte Bekannte

Es ist kaum überraschend, dass die Unternehmen eine engere Kooperation planen. Sberbank-Chef Herman Gref sitzt im Aufsichtsrat von Yandex. Außerdem besteht auf beiden Seiten ein Interesse, das Ökosystem für E-Commerce-Dienstleistungen zu optimieren.

Ende 2012 hat die Sberbank einen Anteil von 75% am Bezahlungssystem Yandex.Money erworben, dessen Funktionen an den US-Dienstleister PayPal erinnern. Die Transaktion in Höhe von 60 Millionen US-Dollar wurde Ende 2013 abgewickelt.

Keine Kooperation mit Alibaba

Anfang 2017 sind Medienberichte aufgetaucht, nach denen Russlands Zentralbank und die Sberbank eine Kooperation mit der chinesischen Alibaba Group planen. Zu der IT-Firmengruppe zählen u. a. die B2C-Handelsplattform AliExpress und das Online-Auktionshaus Taobao. Außerdem hat der Online-Bezahlungsdienst AliPay kürzlich den russischen Markt betreten.

Offenbar sind diese Pläne für eine Zusammenarbeit geplatzt. Laut Wedomosti habe Yandex die Zentralbank davor gewarnt, dass Alibaba ein starker Mitbewerber sei. Der russische Internet-Konzern wähnte seine Marktposition in Gefahr – und setzte sich erfolgreich zur Wehr.

Fotoquelle

© Simon Schütt

Thorsten Gutmann
Über den Autor

ist Chefredakteur von Ostexperte.de.

Zuvor war er Autor der Moskauer Deutschen Zeitung und Online-Redakteur der Berliner Zeitung und des Berliner Kuriers.

 

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