Patrick VolknantVon

Zigarettenverkäufe in Russland sollen weiter fallen

Die russische Tabakindustrie rechnet damit, auch in den nächsten fünf Jahren immer weniger Zigaretten zu verkaufen. Verantwortlich sollen vor allem hohe Preise sowie illegale und alternative Konkurrenzprodukte sein. Dies berichtet die Wirtschaftszeitung Wedomosti.

Laut des jährlichen Berichts von Euromonitor International soll der russische Tabakmarkt bis 2021 im Vergleich zu 2016 um 18,3% schrumpfen, was bis zu 227,4 Verkaufseinheiten entspräche. Somit wird sich der bisherige Trend des sinkenden Zigarettenkonsums der Russen wohl auch in Zukunft fortsetzen. Dennoch handelt es sich um keine Hiobsbotschaft für die Industrie. Trotz der sinkenden Verkäufe sollen die Einnahmen um 4,8% auf 1,5 Milliarden Rubel ansteigen.

Die Verkaufszahlen fallen, doch die Einnahmen steigen

Die negativen Verkaufswerte relativieren sich außerdem bei einem Vergleich mit dem letztjährigen Report von Euromonitor International. In diesem wurde für die Zeitspanne von 2016 bis 2020 ein größerer Fall an Verkaufseinheiten vorausgesagt. So sollten die Verkäufe um 22.2% auf rund 230,3 Milliarden Einheiten einbrechen und lediglich 1,3 Milliarden Einnahmen verzeichnet werden.

Der Untersuchungsleiter von Euromonitor International, Georgy Grebinski, erklärt sich die neuerlichen Zahlen durch ein für den Tabakmarkt erfolgreiches Jahr 2016. In diesem habe man verbesserte makroökonomische Faktoren feststellen können.

E-Zigaretten und Steuererhöhungen bereiten Schwierigkeiten

Für die Gesamttendenz des Marktes und die schrumpfenden Verkaufszahlen sieht Grebinski laut Wedomosti alternative Rauchprodukte verantwortlich, die durch eine stets aktualisierte Gesetzgebung unterstützt werden. Insbesondere elektronische Zigaretten machten dem altehrwürdigen Tabakprodukt zunehmend Konkurrenz.

Die wachsende Konkurrenz alleine mag jedoch nicht der alleinige Grund dafür sein, dass seit 2010 die Tabakverkäufe um mehr als 27% zurückgegangen sind. Jan Guskow, Direktor für Rechtsangelegenheiten und Außenhandelsbeziehungen bei der British American Tobacco (BAT) in Russland, sieht die sinkenden Verkaufszahlen vor allem als eine logische Konsequenz der steigenden Tabakbesteuerung.

So habe im Jahr 2012 habe eine Packung Zigaretten im Durchschnitt noch 22 Rubel gekostet – inzwischen sei man bei mehr als 90 Rubel pro Päckchen angelangt.

Nicht wenige Raucher zieht es auf den Schwarzmarkt

Während dieser Zeit sei das Einkommen der Russen jedoch nicht gestiegen. Deswegen haben viele der Konsumenten damit begonnen, billigere Zigaretten zu rauchen, die zu großen Teilen vom illegalen Markt stammten. Die Analyse Guskows deckt sich mit den Zahlen des Forschungsinstitutes TNS, laut dessen der Marktanteil illegaler Produkte während des letzten Jahres um das Vierfache auf 4,6% gestiegen seien.

Die zunehmende Ablehnung des Glimmstängels ist aber auch in Kontext eines gesellschaftlichen Wandels zu sehen. Öffentliche Rauchverbote und die demographische Situation in Russland tragen das Ihrige zur Lage des Tabakkonsums bei.

Bildquelle

Basti V, thrown away, Zuschnitt auf 1040×586, CC BY-SA 2.0

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Patrick Volknant
Über den Autor

ist Autor bei Ostexperte.de.

Der freie Journalist studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg und Leipzig.

 

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