Patrick VolknantVon

Russland beschränkt Zugang zu VPNs

Nachdem bereits die Software Tor ins Visier der russischen Medienaufsicht Roskomnadsor geraten ist, versucht man nun, sogenannte VPN-Hoster unter Druck zu setzen. Dies berichtet The Moscow Times.

Seit Längerem betreibt die russische Regierung Aufwand, den eigenen Einfluss auf die Geschehnisse im World Wide Web zu steigern. So führte man 2012 ein Gesetz zur Kontrolle des Internets ein, durch das verschiedene Seiten auf eine schwarze Liste gesetzt und gesperrt wurden.

Im September 2015 folgte zudem eine Verpflichtung für ausländische Online-Unternehmen, personenbezogene Daten der russischen Bevölkerung auf Servern innerhalb des Landes zu speichern. Betroffen von den Maßnahmen waren unter anderem Pornhub und YouPorn, was zu Belustigung in den sozialen Netzen führte, aber auch die Business-Plattform LinkedIn, die sich weigert, eigene Server in Russland zu installieren.

VPNs zur Umgehung der Blockaden

Private Netzwerke im virtuellen Raum, oder kurz VPNs, haben es bislang den russischen Internetnutzern erlaubt, entsprechende Blockierungen zu umgehen. Durch eine Umleitung auf im Ausland platzierte Server, welche von sogenannten VPN-Hostern zu Verfügung gestellt werden, wird hierbei die ursprünglich zugeteilte IP-Adresse abgeändert. Um eine solche Verfahrensweise in Zukunft zu verhindern, geht die russische Aufsichtsbehörde für Kommunikation nun gegen die besagten Hoster vor.

VPN-Hoster Hidemy.Name blockiert

Im November 2016 wurde die Seite des VPN-Hosters Hidemy.Name auf das Urteil eines Gerichts in Baschkortostan hin blockiert. Jüngst wurde die Sperrung nach etwas mehr als vier Monaten Verzögerung wieder aufgehoben. Der Chef des Hoster-Unternehmens, Markus Saar, wurde jedoch aufgefordert, den Zugang russischer VPN-Nutzer zu auf der schwarzen Liste befindlichen Seiten einzugrenzen.

Saar beklagt in diesem Zusammenhang eine Überschreitung der Kontrollrechte von Seiten des Staates und spricht von illegalem „Druck durch Offizielle“ auf seine unabhängige Firma. Roskomnadsor-Vorsitzender Wadim Ampelonski betont hingegen, alle VPNs und anonymisierende Dienste sperren zu wollen, die sich an Verstößen gegen russisches Recht beteiligen.

Tor als Eingang zur “Höhle für Kriminelle”

Bereits vor zwei Jahren äußerte die russische Internet-Aufsichtsbehörde Roskomnadsor die Absicht, den Internetbrowser Tor blockieren zu wollen, der – ähnlich wie Hidemy.Name – anonymisiertes Surfen im Netz ermöglicht. Bekannt ist das Programm vor allem als Zugang zum berüchtigten Darknet.

Dieses kann einerseits für kriminelle Aktivitäten verwendet werden, bietet andererseits aber auch Möglichkeiten, sich repressiver Einflussnahme durch Regierungen zu entziehen und beispielsweise Zensur zu umgehen. Ampelonski allerdings bezeichnete Tor als „Höhle für Kriminelle“ und „Ghouls“, die sich über den Browser im Netz versammelten.

Nutzung von Tor lässt sich schwer verhindern

Eine Sperrung Tors könnte sich für Russland jedoch als äußerst schwierig erweisen, da unter anderem bei einer Sperrung der Downloadadressen sofort neue Anbieter des Programms in Form von Mirrorseiten auftauchen würden.

Als einziges Land, das eine effektive Blockierung des Browsers durchsetzen konnte, gilt China. Dessen Internetstruktur unterscheide sich jedoch grundlegend von der russischen, da das chinesische Netz von Beginn an starker Regulierung und Restriktion unterlag.

Titelbild

Quelle: Andrew Hart, All Systems GO!, Size changed to 1040x585px., CC BY-SA 2.0 

 

Patrick Volknant
Über den Autor

ist Autor bei Ostexperte.de.

Der freie Journalist studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg und Leipzig.

 

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