Patrick VolknantVon

Russland – eine Exportnation?

Der seit Längerem schwache Rubel lässt die Ausfuhr russischer Produkte erstarken. Die Neue Züricher Zeitung reflektiert deshalb über eine mögliche Rolle Russlands als Exportnation.

Während früher russische Produkte nur äußerst selten in westlichen Ländern zu finden waren, scheine sich dies laut der schweizerischen NZZ nun geändert zu haben. So stiegen dank des schwachen Rubels die Exporte Russlands an und mit ihnen die Hoffnung auf eine Etablierung als klassische Exportnation.

Primär bekannt sei Russland als – zusammen mit Saudi-Arabien – größter Erdölproduzent der Welt, dessen Lieferungen beispielsweise ein gutes Drittel des Erdgasbedarfs der Europäischen Union abdecke. Aufgrund der sinkenden Erdölpreise habe die russische Währung nun einen Einbruch erlitten. Dieser ermögliche es den russischen Händlern, ihre Waren beim gegenwärtigen Niveau des Rubels für rund 40 Prozent niedrigere Preise anbieten können – und das nicht nur auf dem Markt für fossile Energieträger.

Vor allem Ableger westlicher Unternehmen

Zwar sei durch den Fall der Währung im letzten Jahr der Wert des russischen Exports um 17 Prozent auf 285 Milliarden US-Dollar gesunken, heißt es in der NZZ, doch habe der physische Umfang der Exporte um drei Prozent zugelegt. Unter den zunehmend erfolgreichen Exporteuren fänden sich insbesondere westliche Unternehmen, deren russische Ableger die wachsenden Exportmengen verzeichneten.

Da Russland von 2000 bis 2012 ein hohes Wirtschaftswachstum habe aufweisen können, seien zu dieser Zeit ausländische Unternehmen im Land tätig geworden, um den russischen Markt und dessen 143 Millionen Konsumenten zu erschließen.

Die zu dieser Zeit ausgebaute Kapazität der Unternehmen werde jetzt zugunsten einer stärkeren Gewichtung des Exportgeschäfts genutzt. Da sich der Rubel im Vergleich zur Zeit vor der Wirtschaftskrise immer noch in einer schwachen Phase befinde, könne man damit die entsprechend niedrige Kaufkraft der inländischen Kundschaft ausgleichen.

Mehrere Sektoren profitieren

Der ansteigende Exportumfang betreffe, neben dem üblichen Erdöl- und Erdgasverkauf, auch andere Handelsbereiche. So seien beispielsweise Agrarexporte wie Getreide oder Sonnenblumenöl zu nennen, die zuletzt von einer Rekordernte profitieren konnten.

Auch unkonventionelle Lebensmittel wie Glace und Kekse verzeichneten höhere Verkaufsmengen. Bei anderen Sektoren gestalte sich der Exportzuwachs zweiseitig. So zeigten sich auch Verkaufssteigerungen bei Personenwagen oder dem Maschinenexport, allerdings nur bei Lieferungen ins ferne Ausland. Das für diese Zweige so bedeutende nahe Umland zeige sich hingegen weniger kauffreudig.

Noch Luft nach oben

Letztlich resümiert die NZZ, dass es trotz der gestiegenen Exportmengen noch vielerlei bedürfe – insbesondere, was den Hightech-Sektor betreffe. So hielten teure Kredite, belastende Bürokratie, Korruption und eine verbesserungswürdige Zuliefererindustrie von höheren Investitionen in den Export ab. Der schwache Rubel sei so zwar eine gute Bedingung, reiche allein aber noch nicht zum Status einer Exportnation.

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Patrick Volknant
Über den Autor

ist Autor bei Ostexperte.de.

Der freie Journalist studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg und Leipzig.

 

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