Levin FilzenVon

Finanzminister Siluanow will Umsatzsteuer auf 22 Prozent erhöhen

Nach Informationen der russischen Wirtschaftszeitung Wedomosti schlägt Finanzminister Anton Siluanow vor, die Umsatzsteuer von derzeitigen 18 Prozent auf 22 Prozent zu erhöhen. Gleichzeitig möchte er die zu leistenden Abgaben an den Sozialfond von derzeit 30 Prozent auf 22 Prozent herabsetzen.

Laut dem russischen Finanzminister Anton Siluanow wird mit dieser Umstrukturierung des Steuersystems keine Änderung der gesamten Steuerlast erreicht.

Kampf gegen Schwarzarbeit

„Laut unseren Berechnungen muss bei einer Verringerung der Sozialabgaben auf 22 Prozent die Umsatzsteuer auf 22 Prozent angehoben werden, damit sich die Umstrukturierung nicht auf das Budget auswirkt“, sagte der Minister am Montag auf dem Steuerforum der „Russischen Union der Industriellen und Unternehmer“ (RSPP).

Bestehende Ausnahmeregelungen für die Umsatzsteuer, wovon vor allem die Landwirtschaft sowie der Bildungs- und Medizinsektor profitieren, sollen beibehalten werden. Siluanow ist überzeugt, dass die neue Regelung Schwarzarbeit erschweren wird. „Die einzigen Industrien, für die negative Effekte und weitere Bürden entstehen, sind Industrien, die schwarz beschäftigen.“

Experten zweifeln den Nutzen der neuen Regelung an

Experten halten jedoch dagegen, dass eine Erhöhung der Umsatzsteuer der Schattenwirtschaft Aufschwung geben könnte. Außerdem sei ein Zusammenhang zwischen geringeren Sozialabgaben und einem damit sinkenden Anteil an schwarz beschäftigten Arbeitnehmern nicht nachweisbar.

In der Zeit zwischen 2000 bis 2015 (mit Ausnahme von 2011) seien die Arbeitgeberabgaben stetig gefallen. Trotzdem stieg die Anzahl der illegal Beschäftigten. Das bestätigt auch Arbeitsminister Maxim Topilin: „Wir denken, dass das [Anm. d. Red: die Anzahl schwarz Beschäftigter] nicht abgenommen, sondern sogar zugenommen hat.“

Umsatzsteuer soll schneller als zuvor erstattet werden

Das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung ist überzeugt, dass eine solche Umstrukturierung für exportierende Unternehmen nur dann erfolgreich sein wird, wenn die Umsatzsteuer schneller als bisher erstattet werden kann. Anstatt der heutigen Frist von drei Monaten sollen Umsatzsteuerrückzahlungen in Zukunft bereits in einem Monat erfolgen.

Auch Maxim Chwalibow, Mitglied der russischen Handelskammer, unterstützt den Vorschlag: „Jedes Quartal müssen wir eine Umsatzsteuererklärung einreichen. Bekommen wir die Rückerstattung bereits nach einem Monat, können Kredite schneller gezahlt werden, womit auch die Zinslast fällt und damit die Einkommenssteuer steigt.“

Fotoquelle

Finanzminister Anton Siluanow. Von kremlin.ru.

Levin Filzen
Über den Autor

ist freier Autor bei Ostexperte.de.

Derzeit studiert er Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Hannover. Im Rahmen eines Programmes des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) absolviert er ein halbjähriges Praktikum im Marketing & Sales bei RUFIL CONSULTING in Moskau, um Erfahrungen in der russischen Geschäftswelt zu sammeln.

 

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