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Russische Zentralbank entzieht Jugra Lizenz

Das höchste Kreditinstitut Russlands hat der Jugra-Bank am 28. Juli 2017 ihre Lizenz entzogen. Die Eigentümer der Bank wehrten sich zunächst, schreibt die Zeitung Wedomosti.

Die Bank Jugra gehört zu den 30 größten Banken Russlands. Doch vor wenigen Wochen hat die Zentralbank mitgeteilt, dass sich Jugra in einer „instabilen finanziellen Situation“ befinde. Deshalb hat sie drastische Maßnahmen ergriffen. Zum einen übernahm die Russische Einlagensicherungsagentur (ASW) die Verwaltung von der finanziell angeschlagenen Bank, zum anderen verhängte die Zentralbank ein dreimonatiges Moratorium gegenüber Gläubigern.

Nun hat die „Bank Rossii“ entschieden, Jugra ihre Banklizenz zu entziehen. Das Kreditinstitut habe keinerlei bedeutsamen Kreditvolumen für juristische Personen bereitgestellt, heißt es in einer Erklärung der Zentralbank. Alleine im Jahre 2017 habe die Zentralbank die russische Staatsanwaltschaft sechs Mal über Verstöße von Jugra informiert, so Wedomosti.

Untersuchungen hätten ergeben, dass Jugra in fragwürdige Auslagerungen von Aktiva und Sicherheiten sowie Finanztransaktionen verwickelt gewesen sei. Die Zentralbank berichtete, dass Jugra zahlreiche Falschangaben zu ihren Geschäftstätigkeiten gemacht habe. So hätte die Bank Vorgaben missachtet, u. a. Restriktionen des Einlagengeschäfts.

Eigentümer der Bank verteidigen sich

Jugra gilt als größter Versicherungsfall in der Geschichte des russischen Banksektors. Laut Wedomosti sei es den Eigentümern zunächst gelungen, Unterstützung der Staatsanwaltschaft zu erhalten. Letztere bestand darauf, dass die Russische Einlagensicherungsagentur (ASW) zunächst keine Gelder an betroffene Gläubiger auszahle. Die Bank reichte Klage gegen das am 10. Juli 2017 verhängte Moratorium sowie die temporär eingeführte Verwaltung ein.

Trotz Forderungen der Staatsanwaltschaft begann ASW am 20. Juli mit den angekündigten Auszahlungen. Laut einer Quelle der Zentralbank habe ASW am 26. Juli bereits 100 Mrd. Rubel (ca. 1,42 Mrd. Euro) bzw. 58% des zu leistenden Gesamtvolumens ausgezahlt. Zudem erklärte die Zentralbank, dass sich das Kapital der Jugra-Bank im negativen Bereich befände – dieser Zustand sei laut Wedomosti Bedingung für den vollzogenen Lizenzentzug.

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