Thorsten GutmannVon

Deutsches Unternehmen produziert Quarzsand in Russland

Die deutsche QSIL GmbH Quarzschmelze Ilmenau und die russische Rosatom-Tochter TWEL bilden ein Joint-Venture im sibirischen Irkutsk. Dies berichtet die Zeitung Kommersant.

Die QSIL GmbH ist spezialisiert auf die Herstellung und Weiterverarbeitung von Quarzglas. Das Material gilt als wichtiger Werkstoff für Industrie und Wissenschaft, u. a. für Laborausrüstungen und Ausrüstungen in der Halbleiter- und Solarindustrie.

Der Produzent mit Sitz im thüringischen Langewiesen plant Medienberichten zufolge ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem russischen Atomunternehmen TWEL, einem Hersteller von Kernbrennstoff für Atomreaktoren. TWEL ist Teil der staatlichen Behörde Rosatom, die für die zivile und militärische Atomindustrie Russlands verantwortlich ist.

Das Joint-Venture namens „Angarsker Elektrolyse Chemie-Kombinat“ (AEChK) soll 2,5% des globalen Quarzsand-Markts abdecken. Laut Kommersant steigt die Nachfrage nach dem Erzeugnis weltweit. Die Investition in die Produktionsstätte in der sibirischen Region Irkutsk wird auf 600 Mio. Rubel (ca. 8,5 Mio. Euro) beziffert.

Globaler Markt für ultrareinen Quarzsand

Der deutsche Investor soll zu 60% am Unternehmen beteiligt sein. Die restlichen 40% entfallen auf die Rosatom-Tochter TWEL. Geplant ist eine Produktionskapazität von 250 Tonnen Quarzsand pro Jahr. Die Herstellung soll ab 2021 starten. Bis 2025 könnte das Joint-Venture einen Jahresumsatz von 300 Mio. Rubel (ca. 4,2 Mio. Euro) erreichen.

Der globale Markt für ultrareinen Quarzsand wird im Jahre 2016 auf 555 Mio. US-Dollar geschätzt. Bei steigender Nachfrage könnte der Wert bis 2025 rund 1 Mrd. US-Dollar erreichen. Zu den Hauptabnehmern des Produkts zählen Kunden aus der Hochtechnologie. Die größten Hersteller sind Unimin Corporation (USA) und Kyshtym GOK (Russland).

Gefahr einer Überproduktion

Laut Kommersant besteht die Gefahr einer Überproduktion. Die Zeitung verweist auf den Hype um polykristallines Silicium in der globalen Solarindustrie, der vor einigen Jahren zu einem massiven Preissturz führte. 2010 wollte Rosatom chinesische Marktteilnehmer zurückdrängen. Deshalb war die Behörde an einer Polykristall-Produktion im russischen Schelesnogorsk beteiligt.

Die Preise sind als Konsequenz von 400 bis 500 US-Dollar pro Kilogramm auf 20 US-Dollar herabgestürzt. Dies führte nicht nur zum Ende der Rosatom-Produktion, sondern zur Einstellung eines ähnlichen Projekts des russischen Unternehmens Rusnano.

Thorsten Gutmann
Über den Autor

ist Chefredakteur von Ostexperte.de.

Zuvor war er Autor der Moskauer Deutschen Zeitung und Online-Redakteur der Berliner Zeitung und des Berliner Kuriers.

 

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