Patrick VolknantVon

Lawrow in Washington – Trump trifft Putin in Hamburg

Am Rande des kommenden G20-Gipfels in Hamburg wollen US-Präsident Trump und das russische Staatsoberhaupt Putin gemeinsame Gespräche führen. Doch schon jetzt hat der Außenminister Russlands, Sergej Lawrow, das Weiße Haus besucht.

Zehn Tage ist es her, dass der Kreml telefonischen Kontakt zwischen Präsident Putin und seinem amerikanischen Kollegen vermeldete. In diesem habe man sich – laut der Pressemitteilung – auf „geschäftsmäßige und konstruktive“ Art über die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene ausgetauscht. Allen voran habe man sich über das gemeinsame Vorgehen im Syrienkonflikt beraten, an dem beide Länder sich militärisch beteiligen.

Zusammen wolle man Wege finden, zur Stabilisierung der Region beizutragen und Waffenruhen durchzusetzen. Die Bombardierung eines syrischen Luftwaffenstützpunkts und somit eines russischen Partners durch die USA blieb im Dokument unerwähnt. Als ein weiteres wichtiges Thema wurde indes die angespannte Situation in Nordkorea genannt.

Syrien, Nordkorea und die FBI-Affäre

Eine Fortsetzung sollen die telefonischen Gespräche am siebten und achten Juli in Hamburg finden. Es wäre das erste Treffen beider Präsidenten seit der Amtseinführung Trumps am 20. Januar dieses Jahres. Doch die russisch-amerikanischen Beziehungen stehen nicht nur wegen der Ereignisse in Syrien und Nordkorea unter akuter Beobachtung: Der amerikanische Geheimdienst ermittelt gegen eine angebliche Einflussnahme Moskaus auf den Ausgang der US-Wahl und prüft Kontakte der Trump-Administration nach Russland.

Am Dienstagabend hatte die Ereignisse eine neue Wendung erfahren, als der amerikanische Präsident durch den Pressesprecher des Weißen Hauses die Entlassung des FBI-Direktors James Comey verkünden ließ. Eigenen Aussagen zufolge habe die Nachricht den Leiter der geheimdienstlichen Untersuchung vollkommen unerwartet getroffen. Die Umstände der Kündigung und diverse Tweets des Präsidenten legen laut Beobachtern die Vermutung nahe, dass Trump mögliche Ermittlungen gegen sich selbst behindern möchte.

Lawrows Besuch am Tag danach

Am Tag nach der Entlassung hat der amerikanische Staatschef nun den russischen Außenminister Lawrow empfangen. Dieser war zuvor mit dem US-Außenminister Rex Tillerson zusammengesessen. Trump leugnet einen Zusammenhang zwischen seinem Vorgehen gegen Comey und dem diplomatischen Treffen mit Lawrow. Der russische Minister zeigte sich auf Nachfrage eines Reporters von der Meldung über Comeys Rausschmiss überrascht: „Wurde er gefeuert? Sie machen Witze. Sie machen Witze.“

Bei der Zusammenkunft mit Trump soll man sich – wie schon beim Telefonat zwischen den beiden Präsidenten – über Syrien ausgetauscht haben. Die nach der Versöhnung zwischen Putin und dem türkischen Staatsoberhaupt Erdogan eingerichteten Sicherheitszonen zeigten bisher Wirkung.

Keine Fotografen erlaubt

Beide Regierungsvertreter zeigten sich nach den Gesprächen zufrieden. Lawrow freute sich über das Interesse Trumps, eine pragmatische Beziehung zwischen den Ländern zu etablieren. Sein Gegenüber bezeichnete das Gespräch ebenso als „sehr, sehr gut“.

Dennoch verlief das Treffen nicht, ohne dass die Regierung um den ehemaligen Reality-TV-Star erneut negativ auf sich aufmerksam machte: Das Weiße Haus hielt die Presse von dem Gespräch fern und versuchte diese an Fotos von den beiden Staatsmännern zu hindern. Allein ein Journalist der russischen Nachrichtenagentur TASS, der von der amerikanischen Seite zunächst für Lawrows offiziellen Fotografen gehalten wurde, konnte seine Arbeit verrichten.

Titelbild

Quelle: Flickr (Diego Cambiaso/,White House , Size changed to 1040x585px., CC BY-SA 2.0)

Patrick Volknant
Über den Autor

ist Autor bei Ostexperte.de.

Der freie Journalist studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg und Leipzig.

 

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