Von

Die russischen Ölfirmen stimmen einer Stabilisierung der Förderung auf Januar-Niveau zu

Bei einem Treffen von Vertretern der russischen Ölwirtschaft mit dem russischen Präsidenten Putin haben sich die Ölfirmen bereit erklärt, die Öl-Produktion auf dem Niveau von Januar 2016 beizubehalten. Russland kommt damit einer Einigung über eine Stabilisierung der Ölförderung näher. 

Alles soll so bleiben, wie es ist. Doch das ist neu, wenn es um die Öl-Förderung in Russland geht.

Die Öl-Förderung der russischen Unternehmen könnte auf dem Stand von Januar 2016 eingefroren werden. Dazu erklärten sich gestern die Vertreter der acht größten russischen Ölfirmen bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Dienstag bereit (Transkript des Treffens auf der Kreml-Website).

Die Vertreter der Ölunternehmen sind darüber zum Großteil nicht glücklich, erhoffen sich aber im Gegenzug für ihr Eingeständnis, dass es für sie in diesem Jahr keine Steuererhöhungen gibt, schätzt Alexander Kornilow, Senior Analyst bei „Aton“ gegenüber der Zeitung „Vedomosti“.

Koordiniertes Vorgehen zur Stabilisierung der Öl-Produktion wird wahrscheinlicher

Dadurch, dass nun das Einverständnis der russischen Öl-Firmen eingeholt wurde, geht Russland auf die Vereinbarungen mit einigen weiteren Ölförderländern ein, die Mitte Februar getroffen wurden. Bei dem Treffen, an dem neben Russland Saudi-Arabien, Venezuela und Katar teilnahmen, wurde verabredet, die Produktion auf dem Stand von Januar einzufrieren. Als Bedingung dafür gilt allerdings, dass weitere Länder mitziehen müssten.

Mit dem gestrigen Einverständnis der russischen Ölbranche ist man einer Stabilisierung der Ölpreise näher gekommen.

„Über 15 Länder haben sich für ein Einfrieren der Ölproduktion ausgesprochen“

Bei den Bemühungen, weitere Länder ins Boot zu holen, habe es Fortschritte gegeben, sagte Präsident Putin gestern. Der russische Energieminister Alexander Nowak stehe in Verhandlung und habe „fast eine Einigung mit den Partnern auf dem globalen Markt erreicht“.

Nowak hatte TASS zufolge verkündet: „Mehr als 15 Länder haben schon bestätigt, dazu bereit zu sein [die Förderung auf dem Stand von Januar einzufrieren]. Nimmt man also die öffentlich verkündeten Positionen, kann man sagen, dass Exportnationen, die 73 Prozent des Öls auf der Welt fördern, das Einfrieren unterstützen.“ Das sei die kritische Masse der Länder, die zustimmen könnten, erklärte der Minister.

Inwiefern die Absichtserklärungen auch in die Tat umgesetzt werden und das dazu auch noch koordiniert, ist aber weiter fraglich. Saudi-Arabien hat mit einer einseitigen Senkung der Ölproduktion ohne, dass die anderen OPEC-Staaten mitzogen in den 1980er Jahren bereits schlechte Erfahrungen gemacht.

Ein einseitiger Schritt Russlands habe keinen Einfluss auf den Ölpreis, sagte Waleri Nesterow vom Analysezentrum Sberbank CIB.

Russland hat zumindest schon ein Zeichen des guten Willens gesendet, indem die Produktion im Februar auf dem Januar-Niveau beibehalten wurde. Dem russischen Energieministerium zufolge wurden wie im Januar fast elf Millionen Fass pro Tag gefördert.

Iran stellt sich wohl quer

Als ziemlich sicher gilt, dass sich der Iran nicht auf eine Deckelung einlassen wird. Das Land hat seine Ölproduktion nach dem Ende der internationalen Sanktionen gerade wieder hochgefahren.

Laut dem iranischen Öl-Minister Bidschan Sanganeh hätten „einige Staaten“ ihre Produktion in den vergangenen Jahren auf bis zu zehn Millionen Barrel pro Tag ausgeweitet; dass diese Länder ihre Fördermenge bei eben diesen zehn Millionen Barrel und der Iran bei einer Million Barrel einfrieren solle, sei „ein sehr lustiger Witz“. Der Iran verfügt weltweit über die zweitgrößten Ölvorkommen.

Die Maßnahme sei aber auch ohne den Iran effizient, sagte der russische Energieminister. Doch es könnten Sonderbedingungen für den Iran ausgehandelt werden, bot Nowak an.

Eine Entscheidung über die Beibehaltung der Januar-Niveaus könne für März erwartet werden, sagte er weiter.

Update 4. März:
RBC und Bloomberg berichteten am 3. März über ein mögliches Treffen des russischen Energieministers Nowak mit fünf OPEC-Ländern am 20.3.2016, das in Russland stattfinden werde. Dabei beriefen sie sich auf den Ölminister Nigerias.

Der russische Energieminister sagte: „Russland ist bereit, an Gesprächen zwischen der OPEC und anderen ölproduzierenden Ländern teilzunehmen. Im Moment werden verschiedene Termine und Orte diskutiert. Das Treffen wird sich auf Maßnahmen zur Stabilisierung des Öl-Marktes konzentrieren.“

Kreml-Sprecher Peskow nahm dazu am 4. März Stellung. Der Kreml werde das nicht kommentieren, sagte er. Der jetzige Zeitpunkt sei zu früh, um etwas bekannt zu geben. Die Verhandlungen mit den ölproduzierenden Nationen würden individuell geführt.

Update 16. März:
Das Treffen Russlands mit 15 weiteren Ölförderländer findet dem russischen Energieminister zufolge am 17. April in Doha (Katar) statt. Insgesamt nähmen etwa 15 Staaten teil, teilte Alexander Nowak TASS zufolge mit. 

Vertretbare Einschränkung

Für die russischen Ölunternehmen ist die Stabilisierung der Produktion nicht wünschenswert, aber laut Experten wohl vertretbar. Im Januar sei die russische Produktion auf einem Rekordniveau gewesen, daher werde es ohnehin schwer, das zu übertreffen, schätzt der Analyst Kornilow gegenüber Vedomosti. Auch die Nachrichtenagentur TASS bestätigt: Russland habe im Januar 2016 mehr gefördert als in jedem Monat 2015.

Eine Produktionssenkung kommt für die meisten Unternehmen nicht in Frage. Mit einer Reduktion des Ölausstoßes riskiere man, Marktanteile zu verliere, erklärt Kornilow.

Stabilisierung der Förderung auf Januar-Niveau

Putin beim Treffen mit den Vertretern der Öl-Branche am Dienstag.

RBC berichtete mit Verweis auf Quellen in den Konzernen Lukoil, Gazprom-Neft und Baschneft, dass die Unternehmen genau das befürchten. „Wir verstehen nicht, warum wir das machen sollen und wie wir die Umsetzung dieser Vereinbarungen bei den anderen Marktakteuren kontrollieren können“, wird ein Vertreter von Lukoil zitiert.

Einem heutigen Bericht von RBC zufolge hat sich der Rosneft-Chef Igor Setschin bei dem Treffen für eine Reduktion der Produktion ausgesprochen. Außerdem habe er Exportquoten im Verhältnis zur Produktion vorgeschlagen. Die anderen Unternehmen hätten die Vorschläge aber nicht unterstützt.

Gesunkener Ölpreis sorgt für Rekordproduktion

Der momentan niedrige Ölpreis, der innerhalb von eineinhalb Jahren von über 100 Dollar für ein Barrel Brent auf teilweise unter 30 Dollar fiel, macht den Unternehmen in jedem Fall zu schaffen. Der Preis für die Ölsorte Urals sei im Laufe des Jahres 2015 auf ein Drittel gefallen, sagte Putin bei dem Treffen – das sei ein signifikanter Abfall und wirke sich auch auf die Umsätze der Unternehmen aus.

Nun muss deutlich mehr gefördert werden, um die gleichen Umsätze zu generieren. Mit den sinkenden Preisen ist die Produktion russischer Unternehmen daher deutlich gestiegen.

Sie war 2015 mit 534 Millionen Tonnen Öl so hoch wie seit Sowjetzeiten nicht mehr und im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent höher – „Rekord-Produktion“, nannte es Putin bei dem Treffen. Die Exporte stiegen im Vergleich zu 2014 um neun Prozent.

Nowak: Markt soll sich von selbst stabilisieren

Die Stabilisierung der Ölproduktion habe aber nicht die Aufgabe, die Preise plötzlich auf über 50-60 Dollar pro Barrel zu heben, weil das für eine Überversorgung sorge, sagte Nowak. „Wir hoffen, dass sich der Markt von selbst stabilisieren wird. Die Liefermengen waren 2015 trotz der gesunkenen Preise höher als 2014. Wenn das Angebot auf dem Level von Januar bleibt, heißt das, dass das Angebot nicht wachsen wird, während die Nachfrage in jedem Fall wächst. Der Markt wird so die Überversorgung schneller los“, sagte Energieminister Nowak.


Quellen:

Titelbild: Flickr-Nutzer Geof Wilson (CC BY-NC-ND 2.0)

Bild: Kreml-Website – Pressefotos des Treffens am 1. März 2016 (Встреча с руководителями нефтедобывающих компаний).

 
Startseite 
Simon Schütt
Über den Autor

ist Chefredakteur von Ostexperte.de.

Zuvor war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort. Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert.

Bei Fragen und Anregungen können Sie hier Kontakt mit ihm aufnehmen.

 

Hinterlasse einen Kommentar!

avatar

wpDiscuz