Thorsten GutmannVon

Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern leiden unter Russland-Sanktionen

Der Außenhandel Mecklenburg-Vorpommerns ist 2016 erstmals nach vier Jahren leicht gesunken. Gegenüber dem Rekordjahr 2015 ist der Warenaustausch um sechs Prozent zurückgegangen. Ein Wachstumshemmnis sind die beidseitigen Handelsbeschränkungen zwischen der EU und Russland.

Nach Angaben der Staatskanzlei in Schwerin, die für den Außenhandel Mecklenburg-Vorpommerns zuständig ist, betrug das Volumen des Außenhandels im Jahre 2016 rund 12,6 Milliarden Euro. Trotz des Rückgangs bezeichnet der Norddeutsche Rundfunk dies als zweitbestes Außenhandelsvolumen in der Geschichte des Bundeslandes.

Die Importe blieben bei einem Wert von 5,4 Milliarden Euro auf dem Vorjahresniveau. Allerdings ist der Export von 8 Milliarden Euro (2015)  auf 7,2 Milliarden Euro (2016) gesunken. Nichtsdestotrotz äußerte sich Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) positiv über die Zahlen.

Wichtigste Handelspartner: Niederlande, Polen, Dänemark

“Unsere Wirtschaft hat weiter gute Chancen auf internationalen Märkten. Es ist natürlich vor allem Aufgabe der Unternehmen, diese Chancen zu nutzen”, erklärte der Politiker. Ihm zufolge habe sich das Exportvolumen Mecklenburg-Vorpommerns seit 2006 verdoppelt. Das Bundesland sei deutlich internationaler aufgestellt als zuvor.

Als wichtigster Handelspartner gelten erneut die Niederlande. Danach folgen Polen, Dänemark, Finnland und Russland. Sellering plant im September die Reise einer Wirtschaftsdelegation nach Moskau und Sankt Petersburg. Sein bayerischer Amtskollege Horst Seehofer reiste bereits im März diesen Jahres zum russischen Präsidenten.

Mittelstand leidet unter Russland-Sanktionen

Allerdings hätte der Außenhandel ohne die Russland-Sanktionen deutlich stärker ausfallen können. Unter den Handelsbeschränkungen leiden vor allem mittelständische Unternehmen – zum Beispiel das Elektronik-Unternehmen ml&s aus Greifswald. Durch die Sanktionen hätte das Unternehmen laut Geschäftsführer einen Kunden verloren, der monatlich mit rund einer halben Million Euro am Umsatz beteiligt war.

Auch der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Neubrandenburg, Thorsten Haasch, bestätigt die Probleme im Zusammenhang mit den Russland-Sanktionen: “Es gibt verschiedene Branchen, die direkt betroffen sind.” Betroffen seien vor allem die Ernährungswirtschaft (z. B. Milchindustrie) sowie Speditionsunternehmen in den Bereichen maritime Wirtschaft und Autoindustrie.

Wirtschaft ist wichtig für Friedenserhaltung

2015 exportierte Mecklenburg-Vorpommern Waren im Wert von 310 Millionen Euro nach Russland, erläutert das Statistische Landesamt. Dieser Wert sei 2016 um 48 Prozent eingebrochen. Laut Thorsten Haasch sei es “es wichtig und an der Zeit”, gerade in Zeiten von Protektionismus die “Gesprächsfäden nicht abreißen zu lassen”. Wirtschaft sei schließlich ein wichtiger Botschafter – auch für die Friedenserhaltung.

In der Vergangenheit hatte sich Ministerpräsident Sellering wiederholt für ein Ende der Russland-Sanktionen ausgesprochen. “Wir warten gemeinsam ungeduldig darauf, dass die Sanktionen endlich fallen, damit wir an den früheren wirtschaftlichen Austausch wieder anknüpfen können”, sagte er auf dem Russlandtag 2016 in Rostock.

Thorsten Gutmann
Über den Autor

ist Chefredakteur von Ostexperte.de.

Zuvor war er Autor der Moskauer Deutschen Zeitung und Online-Redakteur der Berliner Zeitung und des Berliner Kuriers.

 

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