Thorsten GutmannVon

Lebensmittel-Embargo: Russland sprengt Schmuggel-Netzwerk in Weißrussland

Die russische Zollbehörde hat das bisher größte Netzwerk für den illegalen Re-Export von sanktionierten EU-Lebensmitteln entdeckt. Zahlreiche Unternehmen aus Belarus und Russland sollen am Massenschmuggel beteiligt gewesen sein.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte die Sanktionen, die eine Reaktion auf restriktive Maßnahmen der EU im Zuge des Ukraine-Konflikts sind, zuletzt bis bis zum 31. Dezember 2018 verlängert. Seit drei Jahren gilt Belarus als Nutznießer des russischen Lebensmittel-Embargos gegen die Europäische Union.

In russischen Behörden sind inzwischen Scherze über „belarussische Kiwis und Austern“ entstanden. Die Föderale Zollbehörde der Russischen Föderation (FTS) und die russische Agraraufsicht Rosselchosnadsor hatten in der Vergangenheit tonnenweise EU-Lebensmittel, die illegal über Belarus nach Russland geschmuggelt werden sollten, beschlagnahmt und zerstört.

Nun hat Russland erstmals ein riesiges Lieferanten-Netzwerk entdeckt, das im großen Stil illegale Lebensmittel ins Land einschleust. Mithilfe der russischen Zentralbank sollen beteiligte Unternehmen hart bestraft werden, berichtet das Wirtschaftsportal RBC.

Nach Angaben von Rosselchosnadsor wurden seit August 2015 rund 16.500 Tonnen Obst und Gemüse sowie 600 Tonnen Fleisch und Käse aus der EU sichergestellt. Wie genau die Produkte über die russische Grenze gelangten, ist nicht bekannt. Mittlerweile gehen die Behörden jedoch davon aus, dass die meisten Lebensmittel über Belarus nach Russland geschmuggelt wurden.

Zentralbank will Zahlungen nach Belarus beschränken

Die Zollbehörde verdächtigt 29 russische Unternehmen, am Schmuggel beteiligt gewesen zu sein. Fast alle besitzen Zertifikate für den Import von Obst, Gemüse, Meeresfrüchten und anderen Lebensmitteln. Die meisten Gründer der Unternehmen sind belarussische Staatsbürger.

Unterstützung sollen sie von drei Lieferanten erhalten haben, die in Belarus registriert sind. Die Ermittler haben zudem gefälschte Dokumente entdeckt, unter anderem Deklarationen von russischen Laboreinrichtungen.

Insgesamt sollen die 29 verdächtigten Unternehmen seit Anfang 2015 rund 125,7 Millionen US-Dollar an die belarussischen Lieferanten bezahlt haben. Nun will die Zollbehörde aktiv gegen den Schmuggel vorgehen. Die Zentralbank, das Wirtschaftsministerium und das Agrarministerium entwickeln Methoden, um Finanztransaktionen aus Russland an belarussische Unternehmen zu begrenzen. Zudem könnten alle Beteiligten ihre Akkreditierungen verlieren.

Thorsten Gutmann
Über den Autor

ist Chefredakteur von Ostexperte.de.

Zuvor war er Autor der Moskauer Deutschen Zeitung und Online-Redakteur der Berliner Zeitung und des Berliner Kuriers.

 

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