Thorsten GutmannVon

Russland will Green Card einführen

Das Kommunikationsministerium will ein russisches Gegenstück zur US-amerikanischen „Green Card“ einführen. Dies berichtet die Tageszeitung Iswestija.

Besitzer der sogenannten Permanent Resident Card (auch: Green Card) sind berechtigt, unbefristet in den USA zu leben und zu arbeiten. Das russische Ministerium für Kommunikation will ab 2019 ein ähnliches Ausweisdokument einführen. Das soll jedoch nur für russischstämmige und hochqualifizierte Ausländer gelten, die fließend Russisch sprechen.

Auch die russische Green Card soll ihren Besitzern problemlose Einreise und Arbeit ermöglichen. Die Pläne sind Teil des Programmentwurfs zur Entwicklung der „Digitalen Wirtschaft“. Finanzministerium, Außenministerium und Wirtschaftsministerium müssen dem Entwurf zustimmen. Doch unter Experten erntet der Vorstoß zur russischen Green Card Kritik.

Kommt die Idee zu spät?

„Während der Finanzkrise in den USA gab es viele Arbeiter, die bereit waren, hier zu leben und zu arbeiten“, erklärt IT-Experte Dmitri Marinitschew. „Damals war es notwendig, solch ein Programm einzuführen. Jetzt funktioniert das nicht mehr.“ Zwar seien Wissenschaftler und Unternehmer immer noch interessiert an Russland – „doch es werden nicht viele sein.“

Auch der Präsident des Internet-Portals SuperJob, Alexej Sacharow, bezweifelt die Effektivität einer russischen Green Card. Ihm zufolge diene das Ausweisdokument in den USA vor allem Arbeitern mit niedriger Qualifikation. Eine Notwendigkeit für Hochqualifizierte könne er nicht erkennen. Schließlich würde ein Arbeitgeber „alles dafür tun“, deren Aufenthalt zu legalisieren.

Ähnlicher Vorstoß für Ex-UdSSR-Bürger

Bereits Anfang 2017 hat der Duma-Abgeordnete Wladimir Sysojew einen ähnlichen Gesetzentwurf angekündigt. Besitzer einer Green Card sollen ihm zufolge von Privilegien wie Gesundheitsversorgung profitieren. Allerdings müsse man dafür ehemaliger UdSSR-Bürger bzw. dessen Verwandter sein. Bisher hat die Staatsduma den Entwurf nicht erhalten.

Laut Iswestija hat Polen Erfolg mit einem vergleichbaren Konzept. Ein spezieller Ausweis locke „kulturell ähnliche Arbeitsmigranten“ ins Land. Dadurch werde nicht nur ein Langzeitaufenthalt ermöglicht, sondern legale Arbeit gewährleistet. Zudem hätten Besitzer eines solchen Ausweises freien Eintritt in Museen sowie kostenlosen Zugang zu Bildungseinrichtungen.

Fotoquelle

Wikimedia (Virgo Group / CC BY-SA 4.0)

Thorsten Gutmann
Über den Autor

ist Chefredakteur von Ostexperte.de. Zuvor war er Autor der Moskauer Deutschen Zeitung und Online-Redakteur der Berliner Zeitung und des Berliner Kuriers. Der gebürtige Freiburger studierte in Berlin Journalismus und Unternehmenskommunikation.

 

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