Patrick VolknantVon

Gazprom in Europa mit steigender Nachfrage

Der russische Erdgasgigant Gazprom scheint auf den europäischen Märkten zunehmend beliebter zu werden. Im vergangenen August konnte der Konzern sogar einen Ausfuhrrekord vermelden. Dies berichtet die Schweizer NZZ.

Normalerweise ist Erdgas besonders während der kalten Jahreszeit gefragt, in der es gerne zum Heizen genutzt wird. Dennoch gelang es dem russischen Erdgaslieferanten Gazprom jüngst im August, einen täglichen Ausfuhrrekord aufzustellen. Laut der NZZ habe das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr rund 12% mehr Erdgas nach Europa exportieren können. Der Grund hierfür seien die europäischen Gasspeicher gewesen, welche im relativ kalten Frühjahr stärker als sonst beansprucht werden mussten.

Insgesamt gewinnen die europäischen Märkte zunehmend an Wert für Gazprom. Obwohl die Gasproduktion des Konzerns der NZZ zufolge im vergangenen Jahr bei 419 Milliarden Kubikmeter stagniert habe, seien die Lieferungen in die Länder abseits der GUS auf eine Rekordhöhe von 179 Milliarden Kubikmeter gestiegen.

Gazprom erziele bei den Geschäften mit Europa pro Kubikmeter einen Preis, der der mehr als doppelt so hoch sei wie der im Inland. Allerdings werde der Gewinn durch den Rubelkurs etwas abgeschwächt. Auf der anderen Seite befinde sich der Kaufpreis für europäische Verhältnisse auf einem niedrigen Niveau. Alles in einem handelt es sich also um ein für beide Seiten lukratives Geschäft.

Wettbewerbsvorteil für russischen Gaslieferanten

Wie auch die NZZ feststellt, handelt es sich beim niedrigen Preis des Erdöls von Gazprom um den entscheidenden Wettbewerbsvorteil für das Unternehmen. Konkurrenz drohe dem russischen Konzern durch Lieferanten verflüssigten Erdgases (LNG). Dessen Preis sei bisher aufgrund hoher Nachfrage aus asiatischen Ländern zu hoch gewesen. Die ansteigende Produktion in Australien und den USA habe LNG-Importe jedoch inzwischen erschwinglich gemacht.

Viele europäische Länder verfügten über ausgebaute Zugänge zur LNG-Versorgung und können dadurch über ihre Bezugsquellen mehr oder weniger frei entscheiden. Erste Lieferungen amerikanischen LNGs seien zuletzt in Litauen und Polen angekommen. Gerade osteuropäische Länder wollen sich seit der Krim-Krise von der Ölversorgung durch Russland unabhängig machen.

Dennoch habe Gazprom laut der NZZ auch in Zukunft gute Chancen auf dem europäischen Markt, da man für einen möglichen Preiskampf alle Karten in der eigenen Hand halte.

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Patrick Volknant
Über den Autor

ist Autor bei Ostexperte.de.

Der freie Journalist studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg und Leipzig.

 

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