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Ökonomen schätzen: Die russische Zentralbank könnte ab 90 Rubel für einen Dollar eingreifen

Seitdem der Rubel im November 2014 sich selbst überlassen wurde, hat die russische Zentralbank keine Währungsverkäufe mehr getätigt, um den Rubel zu stützen. Zuletzt hat der Rubel aber drastisch an Wert verloren und liegt aktuell bei über 80 Rubel für einen Dollar und bei 87 Rubel für einen Euro (Mittlerweile sind es mehr. Siehe Update unten). Grund genug, sich anzusehen, wann die russische Währungshüterin wieder eingreifen könnte.  

Genau dazu hat das Wirtschaftsportal Bloomberg kürzlich Analysten befragt. Die Frage an sie war, wie stark der Rubel fallen müsse, um eine Intervention der Zentralbank zu provozieren.

Der Mehrzahl der befragten Ökonomen zufolge müsste der Rubel noch um 13 Prozent schwächer werden – auf 90 Rubel für einen US-Dollar – damit die Bank einschreite (=Median der Befragung). Zwei Befragte sahen zum Zeitpunkt der Befragung die Schwelle bei 80 Rubel. Die wäre nun erreicht. Bislang hat die Zentralbank aber nicht reagiert.

Währungsverkäufe zur Unterstützung des Rubels seien dann die wahrscheinlichste Antwort der Zentralbank, gefolgt von verbalen Interventionen und einer Leitzins-Erhöhung, sagten die Fachleute in der Umfrage.

Handeln erst bei Markt-Panik

“Nur im Falle einer drastischen Abwertung und Panik des Marktes können wir ein starkes und entschlossenes Handeln der Zentralbank erwarten“, analysierte Andreas Schwabe von der Raiffeisen Bank International AG in Wien gegenüber Bloomberg. „So lange, wie das Öl auf einem Abwärtstrend ist, erwarten wir keine deutlichen Aktionen der Zentralbank, um den Rubel zu unterstützen – wie etwa Währungsverkäufe in großem Stil. Es wäre aller Wahrscheinlichkeit nach sehr kostspielig und mit geringem Effekt, gegen den Strom zu schwimmen.”

Gratwanderung zwischen Inflation und Haushalt

Die Zentralbank steht laut Per Hammarlund, dem Chef-Strategen für Emerging Markets bei SEB AB in Stockholm, vor einer schweren Aufgabe. Es sei eine Gratwanderung, erklärte er Bloomberg. Die Zentralbank müsse die Inflation eindämmen und zur gleichen Zeit dem Rubel erlauben, abzuwerten, um damit den Föderalen Haushalt durch Öleinnahmen zu unterstützen. „Außer, wenn die Haushalte nun beginnen, in Panik Rubel zu verkaufen – wie im Dezember 2014 – ist es unwahrscheinlich, dass die russische Zentralbank stark interveniert.“ (Lesen Sie zu dieser Problematik auch diesen guten Artikel der Moskauer Deutschen Zeitung.)

Die ersten Prognosen der Experten haben sich bereits als zu niedrig entpuppt. Ist es also die 90-Rubel-Marke, wie die Experten mehrheitlich sagen? Es wird sich erst zeigen, wann und ob die Zentralbank mit Maßnahmen reagiert.

Es bleibt aber die Hoffnung, dass es dazu nicht kommen muss.

UPDATE 20. Januar 2016 um 21:40: 

Kurskorrektur: So schnell kann es gehen, wenn man versucht, aktuelle Rubelkurse anzugeben. Mittlerweile hat der Rubel weiter nachgegeben und liegt nun bei über 90 Rubel für einen Euro und über 82 für einen US-Dollar. Ein Rekord. Sogar im Dezember 2014 war die Währung nicht so stark abgestürzt.

„Schwarzer Mittwoch“ titelt etwa die russische Online-Zeitung Lenta.ru (siehe Tweet unten). Nach dem „Schwarzen Montag“ am 17. August 1998 und dem „Schwarzen Dienstag“ am 16. Dezember 2014 nun also Mittwoch, der 20. Januar 2016.


Was schätzen Sie? Wann kommt es zu einem Eingreifen der russischen Zentralbank? Wir freuen uns über Ihre Kommentare hier, auf Facebook, Twitter oder LinkedIn. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Quellen:

Artikel zur Bloomberg-Befragung vom 19.01.2016

Titelbild: Simon Schütt

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